Die Einsamkeit des Erfolgs
Shownotes
In dieser Episode:
- Die Einsamkeit des Erfolgs — wenn nach außen alles glänzt und innen trotzdem Stille herrscht
- Warum Rollen und Funktionen mit der Zeit trennen, auch wenn sie aus echten Stärken entstehen
- Die „undankbar-Falle": warum Scham das Aussprechen von Einsamkeit verhindert
- Der Unterschied zwischen sozialer und existenzieller Einsamkeit
- Wann man aufhört, sich selbst wirklich zu sehen — und warum das die eigentliche Frage ist
- Was echte Verbindung jenseits von Smalltalk und Funktion bedeutet
- Einsamkeit als Entwicklungssignal, nicht als persönliches Versagen
Reflexionsfragen aus der Episode:
- Wann hast du zuletzt jemandem ehrlich gesagt, wie es dir wirklich geht — jenseits von „passt schon"?
- Gibt es Menschen um dich herum, die deine Funktion kennen, aber nicht dich?
- Wann hat es sich eingeschlichen, dass du aufgehört hast, wirklich zu merken, wie es dir geht?
- Was würdest du sagen, wenn du wüsstest, es kostet dich nichts?
Verwandte Episoden:
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Transkript anzeigen
00:00:16: Willkommen zurück bei Zwischen den Zeiten.
00:00:18: Ich bin Martin, heute spreche ich über etwas das viele von euch kennen aber kaum jemand ausspricht.
00:00:25: nicht wirklich Nicht so dass es gehört werden darf.
00:00:29: Es geht um Einsamkeit Aber nicht die Art die man sieht Nicht Die einsamkeit des allein stehenden Menschen in einer kleinen Wohnung Sondern die Einsamkeit mitten im vollen Leben Mitten im Erfolg mitten in der Familie im Beruf, in einem Leben das nach außen hin glänzt.
00:00:51: Das ist das eigentliche Paradox, den ich heute nachgehen will und ich nenne es beim Namen auch wenn es unbequem wird.
00:01:01: Es gibt Menschen die alles haben was als erstrebenswert gilt einen Beruf der respektiert wird eine Familie die funktioniert ein Freundeskreis der voll ist.
00:01:17: Und trotzdem tief drinnen, wenn es still wird, wenn der Tag endet.
00:01:23: Wenn niemand zuschaut da ist dieses Gefühl ein Gefühl das schwer zu benennen ist eine Art von Alleinsein dass nichts mit der Anzahl der Menschen zu tun hat die um einen herum sind.
00:01:37: Einsamkeit des Erfolgs.
00:01:39: Ich nenne es so weil beides gleichzeitig wahr ist Der Erfolg ist real Die Einsamkeit auch.
00:01:47: Und das Schlimmste daran ist nicht das Gefühl selbst!
00:01:51: Das Schlimmmste ist das Schweigen darüber, das innere Verbot es zu sagen – weil der eigene Verstand sofort kommt, ich habe doch keinen Grund.
00:02:02: Andere haben es schwerer, ich sollte dankbar sein und da ist es, dass Wort das alles zuschüttet,
00:02:10: undankbar.".
00:02:12: Als wäre Einsamkeit ein Luxusproblem, als dürfte man sie nur haben wenn man wirklich nichts hat.
00:02:18: Ich sage das anders – Einsamheit ist kein Luxus-Problem.
00:02:23: Einsamität ist ein menschliches Problem und wenn Sie ausgerechnet im Erfolg auftaucht dann hat das einen Grund.
00:02:33: Und der Grund ist nicht dass mit Dir irgendetwas nicht stimmt!
00:02:38: Lass mich ein bisschen weiter reingehen.
00:02:40: Warum macht Erfolg einsam?
00:02:43: Das klingt wie ein Widerspruch, ich weiß!
00:02:46: Aber wenn man genauer hinschaut ergibt es sich fast zwangsläufig.
00:02:51: Denn Erfolg – zumindest das was wir gesellschaftlich darunter verstehen ist meistens mit einer Rolle verbunden, mit einer Funktion Mit einem Bild dass man ausstrahlt und das erwartet wird.
00:03:08: Du bist der Leiter, die verlässliche Mutter, der erfolgreiche Selbständige.
00:03:13: Die Frau, die immer einen klaren Kopf hat.
00:03:16: Der Mann, der die Familie trägt.
00:03:20: Diese Rollen sind nicht böse!
00:03:22: Sie entstehen meistens aus echten Stärken – sie sind auch oft hilfreich für andere.
00:03:28: Aber sie tun eines mit der Zeit… sie trennen …nicht absichtlich …nichts sichtbar….
00:03:34: aber sie schaffen eine Distanz zwischen dem was du nach außen zeigst und dem, was du innen bist.
00:03:42: Und je länger das geht desto schwieriger wird es den anderen überhaupt noch zu erreichen.
00:03:49: Den Anderen der dich wirklich sieht nicht deine Funktion, nicht deinen Erfolg sondern Dich weil kaum jemand wirklich fragt und weil man selbst wenn gefragt wird meistens antwortet passt schon alles gut?
00:04:06: ich komme zurecht Ich erlebe das in meiner Arbeit immer wieder.
00:04:11: Menschen, die nach außen hin absolut souverän wirken, kommen in ein erstes Gespräch und nach zwanzig Minuten ist da so eine Art Erleichterung weil sie endlich sagen dürfen was Sie seit Monaten oder Jahren spüren dass sie sich allein fühlen richtig allein auch wenn um sie herum dauernd menschen sind.
00:04:37: wenn dieses Gefühl ausgesprochen ist, ist Scham.
00:04:41: Ich darf das eigentlich nicht so sagen – ich habe doch ….
00:04:45: ja, ich weiß, ich höre das oft und ich sage dann immer «doch du darfst es sagen?».
00:04:50: Das ist kein Privileg dass man sich verdienen muss bevor man Einsamkeit fühlen darf!
00:04:57: Lass mich jetzt einen Unterschied einführen der mir wichtig ist weil er hilft zu verstehen warum manche Einsamkeitsschwerz greifen.
00:05:07: Es gibt soziale Einsamkeit.
00:05:09: Die kennen die meisten zu wenig echte Kontakte, zu wenig Menschen, die einen kennen.
00:05:17: Diese Einsamkeit ist schmerzhaft und sie lässt sich manchmal nicht immer aber manchmal mit mehr Kontakt adressieren.
00:05:26: Und dann gibt es existenzielle Einsamkeiten – die ist anders!
00:05:34: Genug Menschen hat aber trotzdem nicht erreicht wird, wenn man Gespräche führt.
00:05:39: Aber nicht wirklich spricht!
00:05:42: Wenn man gesehen wird – aber nicht so wie man ist.
00:05:46: Wenn das Tiefste in einem die eigentliche Frage der eigentliche Schmerz Die eigentliche Suche unberührt bleibt.
00:05:57: Diese Art von Einsamkeit hat nichts mit der Anzahl der Menschen zu tun, die man kennt.
00:06:02: Sie hat damit zu tun wie nah man anderen und sich selbst noch kommt.
00:06:08: Und das ist der Punkt, an dem ich ehrlich bin.
00:06:11: Manche Einsamkeit hat nichts mit den Anderen zu tun – sie hat damit zu tun, dass man sich selbst verloren hat, sich selbst fremd geworden ist in all dem Funktionieren, in all den Jahren, inall den Rollen die man so gut ausgefüllt hat.
00:06:28: Die Frage ist nicht immer warum sehen mich die andern nicht?
00:06:32: Manchmal ist die eigentliche Frage, wann habe ich aufgehört mich selbst zu sehen?
00:06:38: Das tut weh.
00:06:39: Ich weiß!
00:06:40: Aber es ist auch der Anfang von etwas – Wann hat sich das eingeschlichen?
00:06:45: Das ist eine Frage, die ich Menschen stelle wenn wir tiefer reingehen nicht als Vorwurf sondern als echte Erkundung.
00:06:55: Wann genau ist es passiert dass die eigene innere Welt kleiner geworden?
00:07:01: Wann hat man aufgehört, wirklich zu merken wie es einem geht?
00:07:05: Meistens gibt es keine klare Antwort.
00:07:07: Kein Datum, keinen Moment!
00:07:09: Es ist eher ein langsames Wegdriften – Ein Zug da, ein Jahr aus Erschöpfung dort….
00:07:16: …ein Nein das man nicht ausgesprochen hat….
00:07:20: Tausend kleine Anpassungen die sich über Jahre angesammelt haben und irgendwann merkt man ich weiß nicht mehr genau Was ich eigentlich will, Ich weiß was von mir erwartet wird.
00:07:31: Ich weiß, was sich liefern kann Aber was ich wirklich fühle, Was mich wirklich bewegt Das liegt unter einer Schicht Die ich selbst aufgebaut habe.
00:07:43: Das ist nicht Schwäche!
00:07:46: Das is keine moralische Verfehlung.
00:07:48: Das iß das, was passiert Wenn man jahrzehntelang Für andere da iss und vergisst Auch für sich selbst dazu sein.
00:07:57: Und jetzt kommen wir zu dem, was wirklich hinter dieser Einsamkeit steckt.
00:08:03: Weil Einsamheit selten nur Einsamkeit ist!
00:08:06: Da ist immer eine Sehnsucht drunter – eine tiefe Sehensucht nach echter Verbindung, nach gesehen werden, nicht in der Rolle sondern dahinter….
00:08:18: …nach einem Gespräch, in dem man wirklich sagen kann wie es einem geht….
00:08:23: Nach dem Gefühl «der andere sieht mich».
00:08:26: Wirklich.
00:08:28: Auch das Schwierige, auch das Unsortierte – auch das was ich selbst noch nicht in Worte fassen kann!
00:08:36: Diese Sehnsucht ist ein gutes Zeichen.
00:08:38: Ich sage das ernst.
00:08:40: Wer keine Sehensucht nach Verbindung mehr spürt, ist tiefer in sich zurückgezogen als jemand der noch sucht.
00:08:49: Dass die Sehmsucht da ist, dass bedeutet, das Lebendige in einem ist noch nicht
00:08:55: verstummt.".
00:08:56: Es wartet nur.
00:08:58: Meistens hinter einer sehr dicken Mauer, aus Kontrolle funktionieren und der leisen Überzeugung – ich komme damit alleine klar!
00:09:08: Was bedeutet echte Verbindung jenseits von Smalltalk-und Pflichtprogramm?
00:09:15: Das ist die praktische Frage, die ich mir jetzt stellen will, denn viele Menschen haben tatsächlich soziale Kontakte, Kollegen, Familie, Bekannte.
00:09:25: Aber wie viele davon sind wirklich nah?
00:09:27: Wie viele davon wissen, was gerade wirklich in einem vorgeht.
00:09:33: Echte Verbindung entsteht dort wo man etwas von sich zeigt das man sonst nicht zeigt.
00:09:40: Das klingt so simpel also aber es ist zu schwer Gerade für Menschen die gewohnt sind stark zu sein Die gelernt haben wenn ich schwäche zeige verliere Ich wenn ich zweifle verliere ich das Vertrauen der anderen, also zeige ich nichts.
00:09:56: Das ist ein Muster – ein sehr altes Muster und es schützt!
00:10:01: Aber es isoliert.
00:10:03: Echter Kontakt – das, wofür das Nervensystem eigentlich gemacht ist – entsteht in dem Moment wo zwei Menschen aufhören, einander eine Rolle vorzuspielen, wo einer von beiden anfängt etwas echtes zu sagen und der andere nicht
00:10:20: wegläuft.".
00:10:22: Das passiert nicht im großen Gruppenabend, das passiert in einem ruhigen Gespräch.
00:10:28: In einem Moment wo man ehrlich sagt mir geht es gerade nicht so gut oder ich weiß grade nicht weiter oder Ich vermisse etwas aber ich weiß nicht mal was.
00:10:40: Das braucht Mut Es braucht auch die richtigen Menschen darum herum und manchmal ist der erste Schritt lange bevor man dass mit jemandem aus dem eigenen Umfeld ausprobiert, erst mal mit sich selbst Honest zu sein.
00:10:57: Zu merken was wirklich da ist unter der Oberfläche denn in den Moment wo man sich nicht mehr fremd ist wird man auch anderen weniger fremds sein.
00:11:09: Ich will zum Schluss noch etwas sagen das mir persönlich wichtig ist diese Einsamkeit wenn sie da isst Wenn sie spürbar ist.
00:11:21: Sie ist auch ein Signal, ein Hinweis.
00:11:24: Ein Klopfen!
00:11:25: Und das Klopffen sagt meistens Folgendes – Du bist aus Dir herausgerutscht.
00:11:31: Du hast so lange geliefert gesteuert funktioniert Das du vergessen hast wie es sich anfühlt einfach du zu sein.
00:11:39: Nicht du als Funktion nicht du als Retter als Versorger Als der starke Mensch den alle brauchen Sondern du als Mensch mit Bedürfnissen, mit Erschöpfung und Sehnsucht.
00:11:56: Mit dem Wunsch nach Verbindung.
00:11:59: Diese Einsamkeit zeigt also etwas über deine Entwicklung – sie zeigt, dass du an einem Punkt bist wo das Alte die alten Rollen, die alten Muster, die alten Wege wie Du mit Dir und anderen in Kontakt bist nicht mehr reichen!
00:12:16: Nicht weil Du versagt hast sondern weil Du gewachsen bist etwas mehr will.
00:12:23: Das ist kein kleines Thema, das ist ein Schwellenthema und genau dafür ist dieser Podcast da!
00:12:30: Wenn das was ich heute gesagt habe etwas in dir berührt wenn du merkst da ist dieses Gefühl dass ich gerade beschrieben habe dann wäre ich froh wenn du dir kurz die Zeit nimmst nicht sofort weiter zu machen Nicht sofort den nächsten Podcast, die nächste Mail oder das nächste Meeting.
00:12:50: Sondern einfach einen Moment bleiben und merken was da ist.
00:12:55: Das ist wo alles beginnt.
00:12:58: Danke dass du heute dabei warst bei zwischen den Zeiten!
00:13:00: Ich freue mich wenn Du beim nächsten Mal wieder dabei bist.
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