Neue EpisodWar das schon alles? Die Sinnkrise, die niemand sieht
Shownotes
- Die Sinnkrise 45+ — was sie ist und was sie nicht ist
- Warum sie meistens bei Menschen auftaucht, die nach außen alles richtig gemacht haben
- Das Undankbarkeits-Stigma und warum es diese Frage unsichtbar macht
- Was „War das schon alles?" wirklich bedeutet: nicht Bilanz, sondern Sehnsucht
- Der Unterschied zwischen Sinnkrise, Burnout und Depression
- Warum diese Phase eine Einladung ist und keine Bedrohung
- Erste Schritte: nicht Handlung, sondern Hören
Reflexionsfragen aus der Episode:
- Gibt es einen Bereich, in dem du merkst, dass du auf Autopilot lebst?
- Was hast du immer wieder auf „später" verschoben — und was ist dieses Später?
- Gibt es eine Stimme in dir, die du bisher noch nicht wirklich gehört hast?
- Wenn alle Erwartungen anderer kurz wegfallen würden: Wer bist du dann? Was wäre dann wichtig?
- Was in deinem Leben ist wirklich deins — und was hast du einfach mitgenommen, weil es da war?
Erwähnte Referenz:
- Carl Jung — das Konzept der Individuation in der zweiten Lebenshälfte
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Transkript anzeigen
00:00:19: Willkommen zurück bei Zwischen den Zeiten.
00:00:21: Ich bin Martin, ich möchte heute mit einer Frage beginnen – eine Frage die in meiner Arbeit immer wieder höre.
00:00:29: Manchmal laut ausgesprochen meistens leise fast flüstern so als würde man sich dabei selbst ertappen.
00:00:38: Die Frage lautet war das schon alles?
00:00:41: Nicht als Klage nicht als Vorwurf einfach diese leise Erschütterung wenn man morgens aufwacht In den Spiegel schaut und plötzlich merkt, ich habe vieles erreicht was ich erreichen wollte.
00:00:54: Die Kinder sind groß der Beruf läuft das Haus ist gebaut oder bezahlt oder irgendwie angekommen die Beziehung existiert oder hat sich verändert und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sitzt da dieser eine Frage ungeladen unbequem hartnäckig.
00:01:17: Heute widme ich diese Episode genau dieser Frage.
00:01:21: Nicht um sie wegzumachen, nicht um Sie in irgendeinen Optimierungsplan zu verwandeln sondern um Ihr den Raum zu geben, den sie verdient.
00:01:31: Denn ich erlebe in Gesprächen immer wieder das Genau diese Frage – war das schon alles?
00:01:37: Eine der kraftvollsten Schwellen ist die Ich Kenne!
00:01:41: Sie taucht nicht bei Menschen auf, die gescheitert sind.
00:01:44: Sie tauchte beim Menschen auf ,die alles richtig gemacht haben.
00:01:49: Das ist das Erste was ich festhalten will bevor wir irgendetwas anderes besprechen.
00:01:54: Wer kennt diese Frage?
00:01:56: Meistens ist es jemand der nach außen ein vollständiges Leben hat eine Ärztin mit fünfzwanzig Jahren Praxiserfahrung die ihren Beruf liebt und trotzdem morgens merkt, dass etwas fehlt ohne zu wissen was.
00:02:11: Ein Mann in den Fünfzigern der seine Abteilung erfolgreich durch einen großen Umbruch geführt hat und der nach der letzten Präsentation im leeren Besprechungsraum sitzt und denkt – Und jetzt?
00:02:26: Eine Frau deren Kinder ausgezogen sind und die plötzlich erkennt, daß sie die letzte Dekade so sehr im Modus des Gebens war, das sie sich selbst darüber ein bisschen verloren.
00:02:38: Ein selbstständiger, dem das Business wirklich läuft.
00:02:42: Und er spürt, dass der Antrieb von damals sich irgendwie verändert hat.
00:02:47: Er macht weiter – aber er weiß nicht mehr ganz genau warum!
00:02:52: Das sind keine dramatischen Geschichten, keine Zusammenbrüche, keine Krisen im klassischen Sinn… Einfach diese eine Frage, die sich ansetzt wie ein leiser Dauerton im Hintergrund.
00:03:03: Und jetzt kommt etwas Wichtiges das ich vor allem anderen sagen will – diese Frage ist kein Zeichen dafür dass etwas falsch gelaufen ist!
00:03:12: Sie isst nicht Undankbarkeit, sie ist nicht Versagen, sie IST wenn man sie versteht möglicherweise das gesündeste Signal das einem Mensch in der zweiten Lebenshälfte bekommen kann….
00:03:24: Aber ich greife vor, lasst uns erst einmal verstehen was hinter dieser Frage steckt.
00:03:30: Zunächst warum taucht war das schon alles so häufig in den Vierzigern und Fünfzigern auf?
00:03:38: Und warum nicht früher?
00:03:39: Das hat mehrere Schichten.
00:03:41: eine davon ist rein zeitlich.
00:03:43: In der ersten Lebenshälfte haben wir meistens klare Orientierung Ausbildung Beruf finden Beziehung gestalten vielleicht Kinder Wohnung Haus Sicherheit aufbauen.
00:03:56: Das selbst definiert sich über Ziele, über Errungenschaften, über das was noch kommt.
00:04:02: Da ist immer noch etwas in der Pipeline – da ist das Gefühl wenn ich erst das erreicht habe dann und dann irgendwann manchmal mit einem Knall manchmal ganz schleichend ist die Pipeline leer nicht weil nichts mehr möglich sondern weil die alten Ziele, die das Leben organisierten einfach nicht mehr dasselbe Feuer entfachen.
00:04:27: Man hat sie erreicht oder man hat erkannt, dass sie nie wirklich die eigenen waren.
00:04:33: Das ist kein Versagen – das ist Entwicklung!
00:04:36: Carl Jung, der wahrscheinlich mehr über die zweite Lebenshälfte nachgedacht hat als irgendjemand sonst, was in dieser Phase passiert, als den Übergang von der äußeren zur inneren Aufgabe beschrieben.
00:04:51: Die erste Lebenshälfte ist – grob gesagt – der Aufbau nach außen.
00:04:55: Die zweite Lebenshäfte ist eine Einladung nach Innen nicht Rückzug, nicht Resignation sondern Begegnung mit dem, was darunter liegt.
00:05:05: Ich sage das nicht um das hier akademisch zu machen.
00:05:09: Ich sage es, weil es eine Erleichterung ist, zu verstehen dass das was du vielleicht gerade erlebst keinen Karikaturnamen braucht.
00:05:18: Es hat einen tieferen ehrlicheren Namen – Schwelle!
00:05:23: Eine Schwelle in der zweiten Lebenshälfte bedeutet nicht, dass Du das erste Kapitel falsch gelebt hast.
00:05:30: Es bedeutet, dass das erste kapitel abgeschlossen.
00:05:37: Dieser Zwischenraum, der ist es.
00:05:40: Dieser Zwischenaum den viele als Lehre erleben, ist eigentlich ein Übergangsraum – er isst ungemütlich!
00:05:48: Er ist still, nicht sicher und wenn man ihn wirklich zulässt auch fruchtbar.
00:05:55: Es passiert in dieser Lebensphase noch etwas anderes das ich immer wieder beobachte… Das Nervensystem, dass über Jahrzehnte im Modus der externen Orientierung war.
00:06:07: Was müssen andere von mir sehen, was muss ich als nächstes erreichen?
00:06:11: Was erwartet das System von
00:06:13: mir?".
00:06:14: Dieses Nervensystem beginnt sich neu zu kalibrieren.
00:06:19: Hormonelle Veränderungen spielen eine Rolle – ja!
00:06:22: Aber ich erlebe immer wieder dass der entscheidende Faktor nicht die Biologie allein ist.
00:06:28: Es ist, dass der Mensch die Reife erreicht hat tiefer zu fühlen als früher Und tiefer fühlen bedeutet auch, die Lehre spüren, die vorher durch Beschäftigung überdeckt war.
00:06:41: Das ist kein Rückschritt – das ist ein Schärferwerden des inneren Gehörs und ich möchte das mit einem körperlichen Bild verbinden weil ich glaube dass es hilft diese Frage nicht nur im Kopf zu verstehen.
00:06:56: Viele Menschen in dieser Lebensphase beschreiben, dass die Unruhe nicht so sehr ein Gedanke ist sondern ein Gefühl Eine Art diffuses Drücken im Brustbereich, eine Schwere beim Aufwachen die nicht durch Schlaf erklärbar ist.
00:07:11: Ein inneres Quellen das schwer zu beschreiben ist und dass man mit Geschäftigkeit überstimmt so lange es kann.
00:07:20: Das Nervensystem registriert etwas bevor der Kopf es in Worte fassen kann und wenn man diese körperliche Schicht ignoriert, wenn man immer weiter macht Ich muss einfach mal abschalten, abtut.
00:07:36: Dann verstärkt sich dieses Signal meistens mit der Zeit nicht weil der Körper lästig ist sondern weil er ein sehr ehrlicher Zeuge
00:07:45: ist.".
00:07:46: Das ist eine Einladung dem Körper zuzuhören – Nicht als Problemquelle, sondern als Informationsquelle.
00:07:54: Jetzt zur nächsten Ebene die ich ansprechen möchte Warum spricht so wenig jemand darüber?
00:08:00: Das ist die Frage die mich am meisten beschäftigt weil ich wirklich glaube, dass war das schon alles zu den verbreitetsten inneren Fragen gehört.
00:08:11: Die Menschen in dieser Lebensphase haben und trotzdem sprechen die meisten nicht darüber – nicht mit dem Partner, nicht mit Freunden manchmal nicht einmal mit sich selbst.
00:08:24: Warum?
00:08:25: Es gibt ein Stigma, das ich das Undankbarkeitsstigma nenne.
00:08:29: es funktioniert ungefähr so Du lebst in einem Land, das relativ wohlhabend ist.
00:08:35: Du hast Arbeit, Gesundheit, Menschen die dich lieben ein Dach über dem Kopf und dann stellst du die Frage ob das alles gewesen sein soll?
00:08:46: Und der innere Kritiker springt sofort an!
00:08:49: Wie kannst du so undankbar sein?
00:08:52: Andere hätten gerne deine Probleme.
00:08:54: Reist dich zusammen, irgendwo verhungern gerade Menschen.
00:08:58: Diese Stimme ist nicht böse – sie kommt aus einem echten Impuls zur Dankbarkeit.
00:09:03: aber sie macht einen entscheidenden Fehler Sie verwechselt Dankbarigkeit mit dem Verbot sich zu fragen ob das Leben noch mehr zu bieten hat.
00:09:13: Dankbar zu sein für das was man hat und gleichzeitig zu spüren dass da noch mehr möglich ist Das ist kein Widerspruch!
00:09:22: Das is Menschlichkeit.
00:09:24: Ich erlebe immer wieder wie befreiend dieser Satz für Menschen ist, wenn sie ihn zum ersten Mal wirklich hören.
00:09:32: Weil viele Monate lang manchmal jahrelang mit sich gehadert haben.
00:09:37: Weil Sie dachten etwas sei falsch mit ihnen, weil alle um sie herum scheinbar funktionieren, scheinba zufrieden sind und keine solchen Fragen haben.
00:09:46: Was ich dazu sagen kann sehr viele haben diese
00:09:49: Fragen.".
00:09:50: Sie sprechen nur nicht darüber und das erzeugt eine kollektive Einsamkeit in einem sehr verbreiteten Erleben.
00:09:58: Das ist eines der Dinge, die mich dazu bewogen haben über dieses Thema zu sprechen – hier!
00:10:04: In diesem Podcast.
00:10:06: In meiner Arbeit.
00:10:07: Weil stille rund um eine Frage sie nicht kleiner macht.
00:10:12: Sie macht sie nur unsichtbarer.
00:10:14: Hinzu kommt eine zweite Schicht wir haben keine guten Vorbilder dafür.
00:10:19: Die Menschen, die uns umgeben haben dieselbe Frage oft nicht zugelassen oder nicht öffentlich zu gelassen.
00:10:26: Die Elterngeneration hat meistens funktioniert – die Arbeitskultur in der viele groß geworden sind hatte keinen Raum für.
00:10:34: ich weiß gerade nicht was mein Leben bedeuten soll.
00:10:38: das klingt schwach das klingt nach Therapiebedarf dass klingt nach etwas das man nicht einfach mal ausspricht während man den Kaffee trinkt.
00:10:47: Und so bleibt diese Frage meistens da, wo sie sich schon immer befunden hat.
00:10:52: In dem Raum nach Mitternacht wenn es still ist und die Kontrolle nachlässt im Auto auf den Weg zur Arbeit in dem Moment bevor der Tag beginnt und man noch einen Augenblick einfach da ist.
00:11:08: Ich möchte heute Raum schaffen für genau diese Momente denn ich bin überzeugt diese Frage verdient gehört zu werden.
00:11:17: Jetzt möchte ich auf etwas eingehen, das mir in Gesprächen immer wieder begegnet.
00:11:22: Die Verwechslung dieser Sinnkrise mit anderen Zuständen – konkret mit Depression und Burnout.
00:11:29: Das ist nicht nur akademisch wichtig, es ist praktisch wichtig!
00:11:34: Weil die Antworten sehr unterschiedlich sind.
00:11:37: Eine Depression ist ein klinisches Bild.
00:11:40: Sie zeigt sich in einer anhaltenden Lehre eine Freudlosigkeit, die alle Lebensbereiche betrifft?
00:11:47: einem Rückzug, der tiefer geht als das was ich hier beschreibe.
00:11:52: Eine Depression hat eine biologische Komponente.
00:11:55: sie braucht meistens professionelle Unterstützung manchmal psychotherapeutisch, manchmal medizinisch und manchmal beides.
00:12:05: Das sage ich ganz klar.
00:12:07: wenn du an dir selbst erkennst dass das was du erlebst sich über Wochen- und Monate nicht verändert wenn die Schwere Wenn du keine Freude an Dingen findest, die dir früher bedeutsam waren, dann ist das kein Zeichen dafür dass du nicht hart genug an dir arbeitest.
00:12:27: Dann sucht ihr Unterstützung – das ist keine Schwäche!
00:12:31: Das ist Klarheit.
00:12:32: Burnout ist ein anderes Bild.
00:12:34: Burn-Out entsteht aus Erschöpfung.
00:12:37: Aus Überforderung, aus zu viel Ausgeben und so wenig Aufladen über einen zu langen Zeitraum.
00:12:44: Der Körper stellt die Rechnung Die Energie ist weg, nicht nur der Sinn.
00:12:49: Die Sinnkrise um die es heute geht sieht anders aus.
00:12:53: Hier ist die Energie oft noch da Manchmal ist sie sogar deutlich dar Aber der Kompass fehlt!
00:13:00: Man kann noch funktionieren man kann noch liefern man könnte noch einen weiteren Marathon laufen Nur wohin eigentlich?
00:13:10: Das ist der Unterschied den ich in der Praxis immer wieder sehe.
00:13:14: Der Körper sagt nicht Ich kann nicht mehr.
00:13:17: Eine tiefere Schicht sagt, ich möchte nicht mehr in die gleiche Richtung und das ist ein entscheidend anderer Ausgangspunkt für das was als nächstes kommen kann.
00:13:27: Ich will aber auch klar sagen diese drei Zustände können sich überlappen.
00:13:32: eine Sinnkrise die lange ignoriert wird kann in Erschöpfung münden.
00:13:38: Erschöffungen die nicht gehört wird kann die Schwelle für andere Entwicklungen senken.
00:13:43: Das ist keine scharfe Trennlinie Das ist ein Kontinuum, also wenn du in dich hineinhorchst und nicht sicher bist wo du gerade stehst.
00:13:53: Das ist kein Zeichen von Schwäche – das ist ein Zeichen dafür dass Du grade im Grenzbereich bist der ehrliche Aufmerksamkeit verdient!
00:14:03: Ich möchte jetzt tiefer gehen in die Frage selbst was steckt wirklich hinter?
00:14:08: war das schon alles?
00:14:10: Auf den ersten Blick klingt es nach einer Bilanz einer Enttäuschung über das Vergangene.
00:14:17: Aber wenn ich genauer hinschaue und ich habe das in sehr vielen Gesprächen getan, dann ist es das meistens nicht.
00:14:25: Es ist keine Bilanz über das Vergangene – es ist eine Ahnung über das Zukunftige!
00:14:32: Die Menschen die diese Frage stellen fragen nicht.
00:14:36: War das alles was ich je gelebt habe?
00:14:39: Sie fragen….
00:14:41: Ist das Alles was noch kommen kann?
00:14:44: Das ist ein himmelweiter Unterschied.
00:14:46: Die erste Frage wäre trauer über das gelebte, die zweite frage Ist etwas anderes.
00:14:52: sie ist eine sehnsucht Eine tiefe manchmal schwer artikulierbare Sehnsuchten dass da noch mehr ist mehr Tiefe mehr Authentizität mehr lebendigkeit Etwas Dass sich echter anfühlt als das was gerade läuft.
00:15:08: und jetzt wird es interessant weil das was Als war das schon alles?
00:15:14: beginnt, wenn man es nicht wegmacht.
00:15:17: Wenn man nicht sofort dagegen anarbeitet oder sich selbst für undankbar erklärt – wenn man das wirklich zulässt – dann beginnt dieser Satz manchmal, sich zu
00:15:27: verändern.".
00:15:29: Er verwandelt sich von einer Frage in Resignation zur eine Frage in Neugier.
00:15:35: War das schon alles?
00:15:36: Wird zu?
00:15:38: Was könnte noch sein?
00:15:40: Das ist kein automatischer Prozess!
00:15:42: Das passiert nicht einfach so….
00:15:44: Aber ich habe beobachtet, dass es beginnt wenn Menschen aufhören die Frage wegzuschieben und anfangen ihr wirklich nachzugehen.
00:15:53: Ich möchte kurz innehalten und dich einladen einmal in Dich hinein zu horchen – nicht mit dem Kopf eher mit dem was Du spürst wenn es still ist.
00:16:04: Gibt es einen Bereich in Deinem Leben indem du merkst das Du auf Autopilot läufst?
00:16:10: Nicht weil er schlecht ist sondern weil er nicht mehr wirklich mit dir in Berührung ist, gibt es Entscheidungen die du immer wieder auf später verschoben hast?
00:16:21: Und wenn du ehrlich bist was ist dieses Später?
00:16:25: und gibt es eine Stimme in dir leise vielleicht schon seit Jahren da.
00:16:31: Die dir etwas sagen will dass du bisher noch nicht wirklich gehört hast?
00:16:36: das sind keine rhetorischen Fragen.
00:16:38: das sind Fragen die ich ernst meine die ich dir mitgebe, damit du sie heute oder morgen oder am Wochenende in der Stille einmal wirklich stellen kannst.
00:16:50: Ohne Druck sofort eine Antwort zu haben!
00:16:53: Ich möchte jetzt auf etwas eingehen das mir wichtig ist.
00:16:57: Warum ist diese Phase einer Einladung und nicht eine Bedrohung?
00:17:02: Das höre ich manchmal wenn ich mit Menschen über dieses Schwelle spreche.
00:17:06: Klingt gut Martin aber das ist doch in Wirklichkeit eine Krise Und ich sage dann meistens, was ist eine Krise?
00:17:14: Krisen haben die Eigenschaft das sie das Wesentliche ans Licht bringen.
00:17:19: Das was sonst unsichtbar bleibt weil die Struktur des Alltags es
00:17:23: überdeckt.".
00:17:25: Die Frage war da schon.
00:17:27: alles ist in diesem Sinne nicht das Problem – sie ist der Fingerzeig!
00:17:32: Sie zeigt dorthin wo etwas gehört werden will dass selbst das sich jetzt meldet das mit dieser Frage anklopft.
00:17:41: Das ist kein Feind, das was darunter ist, das ist nicht immer angenehm.
00:18:14: Das ist manchmal erschreckend!
00:18:16: Weil unter der Funktion, unter den Rollen, unter die Erwartungen – manchmal auch Dinge warten, die man eine Weile nicht angeschaut hat.
00:18:25: Alte Muster Ungesprochene Wünsche Dinge, die nie einen Platz hatten.
00:18:30: Aber ich sage dir Aus vielen Gesprächen aus eigener Erfahrung Es lohnt sich dort hinzuschauen Nicht weil es einfach ist Sondern Weil das, was auf der anderen Seite wartet, echter ist als das, wofür man jahrzehntelang funktioniert hat.
00:18:48: Ich möchte ein Bild anbieten dass mir in der Arbeit mit Menschen immer wieder begegnet.
00:18:54: Stell dir vor du baust dein Leben wie ein Haus.
00:18:58: In der ersten Lebenshälfte baust Du meistens zuerst die Fassade.
00:19:03: Die muss gut aussehen Stabil Einladend.
00:19:07: Du investierst in die Räume Die andere sehen können.
00:19:11: Das Wohnzimmer, die Küche, die Fassade nach außen und irgendwann in den Vierzigern, Fünftzigern manchmal früher, manchmal später wunderst du dich warum es in manchen Räumen zugig ist?
00:19:26: Warum das Fundament manchmal seltsam knarzt?
00:19:29: Warum die Wärme, die du eigentlich spüren müsstest nicht so richtig ankommt?
00:19:35: Und wenn du hinschaust stellst du fest dass da ein Stockwerk dass du nie wirklich bezogen hast, das immer zugehalten war – nicht absichtlich.
00:19:45: Du hast einfach nie die Zeit gehabt oder den Mut oder die Erlaubnis!
00:19:51: Die Frage War Das Schon Alles ist in diesem Bild oft der Moment, indem du die Tür zu diesem Stockwerk siehst zum ersten Mal wirklich siehst.
00:20:02: was du dahinter findest ist bei jedem anders aber ich habe noch niemanden erlebt durch diese Tür gegangen ist und bereutert nachgeschaut zu haben.
00:20:13: Jetzt möchte ich konkret werden, was hilft wenn du mitten in dieser Phase bist?
00:20:18: Zunächst einmal – der erste Schritt ist nicht Handlung!
00:20:22: Das ist kontraintuitiv für Menschen die ihr Leben lang aus Handlung herausgelebt haben.
00:20:28: aber die Antwort auf «war das schon alles» ist nicht sofort etwas zu verändern ein neues Projekt anzufangen Eine große Entscheidung zu treffen, der erste Schritt ist Hören.
00:20:43: Und Hören ist schwerer als Handeln weil es kein Ergebnis produziert.
00:20:48: Kein Update – kein Beweis!
00:20:51: Was bedeutet Hören in diesem Kontext?
00:20:54: Es bedeutet dieser leisen Stimme eine ehrliche Chance zu geben nicht sofort zu analysieren, nicht sofort bewerten und nicht sofort mit Gegenargumenten zu kommen sondern erst einmal zu fragen Was willst du mir sagen?
00:21:09: Das kann in Stille passieren, in einem Spaziergang ohne Podcast.
00:21:14: Ich sage das bewusst auch wenn ich gerade ein Podcast bin – in einem Notizbuch, in das man abends ohne Ziel schreibt!
00:21:23: In einem guten Gespräch mit einem Menschen den man wirklich vertraut oder mit einem professionellen Begleiter?
00:21:31: und dann gibt es eine Frage die ich in der Arbeit mit Menschen immer wieder stelle… Und die ich dir heute mitgeben möchte, wenn du die Erwartungen aller Menschen aus deinem Leben kurz herausnehmen könntest.
00:21:44: Partner Kinder Kollegen Eltern Die Gesellschaft als abstrakte Masse Wenn Du die einen Moment auf Pause stellen könntest und nur du selbst übrig bleibst Wer bist du dann?
00:21:57: Was wäre dann wichtig?
00:22:00: Das ist eine einfache Frage und einer der schwersten die ich kenne.
00:22:04: Ich möchte kurz bei dem bleiben, was hören konkret bedeuten kann.
00:22:08: Weil ich nicht möchte dass das abstrakt bleibt.
00:22:11: Manchmal ist Hören für fünf Minuten am Morgen bevor das Telefon das erste Mal vibriert einfach sitzen.
00:22:19: Kein Aufgabenlisten-Durchgang kein Nachrichtencheck nur Sitzen und fühlen was da ist.
00:22:26: Das klingt banal es ist es nicht.
00:22:28: Manchmal ist Horen am Abend mit einem Notizbuch sitzen und nicht schreiben, was erledigt ist sondern was aufgetaucht ist.
00:22:38: Welche Bilder kamen heute?
00:22:40: Welche Momente sich seltsam anfühlten, was du dir eigentlich wünschst wenn du einen Herzenswunsch hättest?
00:22:48: Manchmal ist hören auch das Gespräch mit einem Menschen dem man wirklich vertraut – nicht das Gespräch in dem man die richtige Antwort hat!
00:22:59: Das Gespräch indem man sagt ich weiß gerade nicht weiter Und das beschäftigt mich mehr als ich zugebe.
00:23:06: Das sind keine großen Schritte, aber sie öffnen etwas!
00:23:11: Sie geben der Frage Raum und damit beginnt meistens etwas, denn die meisten von uns haben jahrzehntelang so eng mit den Erwartungen anderer gelebt dass sich die eigene Stimme anfühlt wie ein schwacher Sender.
00:23:28: Man empfängt sie manchmal kurz in stillen Moment Und dann rauscht das Alltagsradio wieder rein und überlagert alles.
00:23:37: Diese Phase, die Schwelle, die Sinnkrise, die ich heute beschreibe ist eine Einladung diesen Sender lauter zu drehen.
00:23:45: – noch ein Gedanke bevor wir zum Schluss kommen!
00:23:49: Ich habe gesagt dass die Frage war das schon Alles?
00:23:52: meistens nicht bei Menschen auftaucht die gescheitert sind sondern beim Menschen die alles richtig gemacht haben.
00:24:00: Und ich möchte das jetzt noch einmal wenden, was ist alles richtig machen?
00:24:04: Richtig nach Wessen Maßstab.
00:24:07: In vielen Gesprächen stelle ich fest, dass Menschen in der zweiten Lebenshälfte beginnen zu erkennen, dass ein erheblicher Teil ihres bisherigen Lebens – Der Berufsweg!
00:24:20: Die Entscheidungen die Prioritäten geprägt war von Erwartungen, die sie übernommen haben ohne sie jemals wirklich zur
00:24:28: Hinterfragen."
00:24:30: vom Elternhaus, von der Gesellschaft.
00:24:33: Von dem was man tut, von dem was Erfolg bedeuten soll.
00:24:38: das ist kein Vorwurf, dass es menschlich.
00:24:41: wir übernehmen Werte und Orientierungen von unserer Umgebung.
00:24:46: Das ist sozial notwendig, das ist nicht falsch aber irgendwann Und dieser Punkt ist vielleicht der wichtigste den ich dir heute mitgeben kann.
00:24:56: Irgendwann ist es Zeit Diese übernommenen Maßstäbe bewusst zu überprüfen.
00:25:02: Nicht um sie alle zu verwerfen, sondern um zu unterscheiden was davon ist wirklich meins und Was habe ich einfach mitgenommen weil es da war?
00:25:13: diese Unterscheidung ist der Anfang von dem was Ich als echte innere Freiheit verstehe nicht die freiheit Von allem nicht die Freiheit ohne Verantwortung Sondern Die Freiheit das eigene Leben nach dem zu gestalten, was wirklich zählt.
00:25:32: Für einen selbst.
00:25:33: Ich möchte diese Episode mit einem Gedanken abschließen der mir persönlich viel bedeutet.
00:25:40: Die Frage war das schon alles ist wenn man sie wirklich ernst nimmt nicht eine Frage über das vergangene.
00:25:48: Sie isst einer Einladung in die Zukunft.
00:25:51: sie sagt Du hast jetzt die Reife die du brauchst Die Fehler, die gewonnenen Jahre.
00:26:00: Du hast das was in der ersten Lebenshälfte nicht möglich war einen ehrlichen Blick auf dich selbst ohne die Jugendliche Angst alles zu verlieren.
00:26:09: und sie fragt Was machst du damit?
00:26:12: Das ist kein Druck!
00:26:13: Das ist keine Aufforderung sofort alles umzukrempeln.
00:26:16: Das ist eine leise wirklich ernst gemeinte Einladung.
00:26:21: Was wäre möglich wenn du dieser Frage nicht ausweichst sondern ihr entgegen gehst?
00:26:27: Ich bin gespannt, was du daraus machst und ich wäre froh wenn dieser Gedanke dich ein Stück begleitet.
00:26:34: Sei es heute Abend im Auto oder in einer der stillen Minuten die sich schon bald ergeben werden!
00:26:41: Vielen Dank dass Du heute dabei warst.
00:26:43: das war zwischen den Zeiten und ich Bin Martin Paul Feuerborn.
00:26:48: Wenn diese Episode etwas Indie berührt hat dann teile sie gerne mit jemandem dem Sie gut tun könnte dass wir hier angefangen haben, weiterführen möchtest.
00:27:01: Meine Website findest du unter livechangemanagement.de.
00:27:05: Bis zur nächsten Episode.
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